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Raps erreicht die 300 Euro-Marke

 


Trotz einer erneuten Anbauflächenausdehnung um 13 % in Niedersachsen und 7 % auf Bundesebene wird die Erntemenge 2007 wohl nur geringfügig über der des vergangenen Jahres liegen. Ob der für die EU-27 prognostizierte Anstieg der Rapserntemenge um 16 % auf 18,4 Mio. t tatsächlich erreicht wird, ist noch fraglich. Eine lebhafte Nachfrage nach Raps trieb die Preise in den vergangenen Wochen schon deutlich nach oben, allerdings nicht so stark wie den Weizenpreis. Auch die Rapsernte 2008 kann an der Terminbörse bereits zu Kursen über 300 €/t abgesichert werden.

Für Raps in Niedersachsen wird zur Ernte 2007 mit einem Flächenzuwachs um 13 % auf etwa 146.00 ha gerechnet. Auf Bundesebene fällt die Ausdehnung mit +7 % nicht so groß aus, aber für die EU-27 rechnet man mit gut 6,2 Mio. ha. Das wäre eine um 18 % größere Rapsfläche als zur Ernte 2006. Wegen der gedämpften Ertragerwartung ist der voraussichtliche Zuwachs in der Erntemenge insbesondere in Deutschland (+2%) weniger umfangreich. Ob der für die EU-27 prognostizierte Anstieg der Rapserntemenge um 16 % auf 18,4 Mio. t tatsächlich erreicht wird, ist noch fraglich.

Der Erwartung einer höheren Rapsernte steht allerdings eine so lebhafte Nachfrage gegenüber, dass die Terminkurse für Raps seit Anfang April um gut 40 €/t gestiegen sind. Das liegt zu einem Teil zunächst an der so genannte „Malaysia-Rallye“. Damit ist die kräftige Verteuerung auf den Weltmärkten für pflanzliche Öle gemeint, die insbesondere von dem erneuten Preisschub bei Palmöl in Südostasien angetrieben wird. Mitte 2006 war Palmöl noch um 200 €/t billiger als Rapsöl. Aktuell beträgt der Preisabstand nur noch etwa 70 €/t. Hintergrund ist die beginnende Expansion der Biodieselerzeugung auf Palmmethylester-Basis insbesondere in Malaysia und Indonesien. Der erhöhte Bedarf kann derzeit dort auf Grund von Trockenheit nicht durch eine entsprechend wachsende Produktion gedeckt werden. Außerdem lässt sich die Erzeugung ohnehin nicht so rasch ausdehnen, wie die Nachfrage wächst, denn neu angelegte Plantagen bringen erst nach fünf Jahren eine Ernte und erreichen erst nach zwölf Jahren den vollen Ertrag.

Hinzu kommt, dass Sojaöl ebenfalls sehr fest tendiert. Hier liegt die Ursache im rückläufigen Sojaanbau in den USA. Dort werden in einigen Jahren voraussichtlich jährlich mehr als 100 Mio. t Mais zur Herstellung von Ethanol verbraucht. Während die US-Sojafläche von 30,6 Mio. ha (2006) auf wahrscheinlich 25,9 Mio. t (2007) sinkt, soll die Maisfläche von 31,7 Mio. ha auf 37,6 Mio. ha steigen. Diese korrigierte Anbauschätzung löste Ende Juni einen sprunghaften Anstieg der Sojakurse aus. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Sojapreise mit der allgemeinen Tendenz auf den Getreidemärkten mitziehen.

Das gilt hierzulande auch für Raps. Mit 270 €/t war der Raps-Erzeugerpreis Anfang Juli nur 55 % höher als der erzielbare Weizenpreis. In den vergangenen Jahren lag er dagegen meist etwa 100 % höher, also beim doppelten des Weizenpreises. Das korrespondiert damit, dass die Ertragserwartung von Raps gemeinhin allenfalls 50 % des Weizens erreicht. Demnach wäre bei einem Weizenpreis von 175 €/t eine Vergütung für Raps von 350 €/t auf Erzeugerebene noch normal. Natürlich ist Raps, schon aus Fruchtfolgegründen, nicht beliebig austauschbar. Doch auch die Anrechnung seines höheren Vorfruchtwerts wird auf Dauer sicher nicht ausreichen, den Rapsanbau konkurrenzfähig zu halten, wenn der „Preisaufschlag“ gegenüber Weizen deutlich unter 100 % bleibt. Das dürfte jedenfalls gelten, solange sich das Verhältnis der Erträge und der Anbaukosten nicht wesentlich ändert.

Sowohl hinsichtlich des Vergleichs mit den konkurrierenden Ölfrüchten und –saaten als auch im Hinblick auf den Wettbewerb um hiesige Ackerflächen hätte der Rapspreis also Nachholbedarf und somit eigentlich noch einen gewissen Spielraum nach oben. Das bestätigt sich auch, wenn man von den Notierungen für Rapsöl und Rapschrot ausgeht. Bei erzielbaren Erlösen von 650 €/t für Rapsöl und 126 €/t für –schrot ergibt sich eine Verwertung von Raps von 323 €/t (Basis 40 % Öl). Abzüglich der Verarbeitungs- und Vermarktungskosten (Schlaglohn, Fracht-, Ein-/Auslagerung, Handelspanne) ließ sich Anfang Juli je nach Transportentfernung zur Ölmühle eine Erzeugerpreiserwartung von etwa 288 – 295 €/t ableiten.

Der Grund dafür, dass der Rapspreis dieses Potential noch nicht voll ausschöpft, wird in erster Linie in den in Deutschland eingetrübten Absatzaussichten von Biodiesel gesehen. Diese haben sich bekanntlich durch die steigende Belastung mit der Mineralölsteuer seit August 2006 verschlechtert und bei einem Anteil von mittlerweile mehr als 75 % am gesamten Rapsölverbrauch in Deutschland spielt der Treibstoffsektor nun einmal die maßgebliche Rolle. Der Wiederanstieg der Mineraldieselpreise im Frühjahr gab dem Biodiesel wieder etwas Rückenwind, dennoch steht nach wie vor zu befürchten, dass mit den nächsten Erhöhungsstufen der Teilbesteuerung zum 1.1.08 und zum 1.1.09 Absatzkanäle in der Reinkraftstoffschiene (B 100) komplett weg brechen. Insgesamt und weltweit gesehen sind die Aussichten aber fortgesetzt positiv.

Am 10. Juli 2007 kletterte der August-07-Kontrakt für Raps an der französischen Terminbörse (Euronext-Liffe / MATIF) erstmals über 300 €/t. Bemerkenswert ist insbesondere, dass auch der August-08-Kontrakt, also die nächstjährige Ernte bereits auf dem gleichen Niveau gehandelt wird und dahinter auch schon nahezu 3000 Kontrakte (open interest) stehen.

 

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